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Malteser in Bruchsal

Nachricht an Kellertür: „Vor über 75 Jahren hat mir dieser Keller das Leben gerettet!“

„Hans-Dieter“ feiert das Überleben bei Bruchsaler Bombardement im zweiten Weltkrieg dank Fluchtmöglichkeit in den heutigen Ausbildungskeller der Malteser

03.03.2020
Gerne hätten wir mit "Hans-Dieter" persönlich gesprochen!
Wer kennt ihn?

Bruchsal. (nic) Nicht schlecht staunten unsere Helfer am 02.03.2020, als sie direkt am Durchgang zum Innenhof der Rettungswache auf der schweren, hölzernen Kellertür ein Schild von „Hans-Dieter“ entdeckten, der damit seinem Überleben im zweiten Weltkrieg durch Zuflucht in unseren heutigen Ausbildungskeller gedenkt.
Der angebrachte Ausdruck ist feierlich mit Rahmen geziert und handschriftlich signiert. Hintergrund hierfür ist das am 1. März 1945 erfolgte Bombardement der Bruchsaler Innenstadt. Der 1440 erbaute Keller, der in seinem Ursprung als fürstbischöflicher Weinkeller genutzt wurde, wurde in Kriegstagen als Luftschutzraum umfunktioniert und diente als Unterschlupf für die Zivilbevölkerung sowie die Feuerwehrleute der Stadt Bruchsal, deren Feuerwehrhaus sich in unmittelbarer Nähe der heutigen Rettungswache befand.

Überraschungsangriff auf Bruchsal im letzten Kriegsjahr des Zweiten Weltkriegs
Am Vormittag des 1. März 1945 erfolgte ein Bombardement der 8. US-Luftflotte, bestehend aus 116 Flugzeugen auf Bruchsal. Innerhalb von 42 Minuten fielen auf Bruchsal 901 Sprengbomben und 49.500 Stabbrandbomben nieder. Das Zielgebiet der Bomber konzentrierte sich hauptsächlich auf das dichtbesiedelte Stadtzentrum und somit auch auf die heutigen Räumlichkeiten der Caritas und des Malteser Hilfsdienstes. Durch die Druckwellen der Sprengbomben wurden zunächst einige Hausdächer abgedeckt und die darunterliegenden Häuser durch die nachfolgenden Stabbrandbomben in Vollbrand versetzt. Bei dem Angriff verloren mehr als 1.000 Menschen ihr Leben.

Unser Keller: Auch heute noch eine wichtige Anlaufstelle für Kriegsflüchtende
In mühevoller Detailarbeit renovieren die Malteser den Keller nach der Jahrtausendwende und verwandelten den tristen Abstellraum durch Neugestaltung zu einem stimmungsvollen Schulungsraum. Heute dient er den Helfern als Besprechungsraum, als Schulungsstätte für Erste-Hilfe-Kurse und nicht zuletzt als Unterrichtsraum für Erstorientierungskurse für geflüchtete Menschen aus Kriegsgebieten. Die Kurse haben das Ziel Menschen, die sich um Asyl bewerben in deren Orientierung und Integration behilflich zur Seite zu stehen. Anhand alltagspraktischer Module wie Wohnen, Einkaufen, Verkehr oder Gesundheit erhalten die Teilnehmenden einen Überblick über das Leben und die kulturellen Gepflogenheiten sowie politischen Werte in Deutschland.

Wer kennt Hans-Dieter?
Gerne hätten wir mit Hans-Dieter persönlich gesprochen und ihm den Keller in seinem heutigen Zustand gezeigt. Wir würden uns daher freuen, wenn „Hans-Dieter“ über diesen Artikel oder durch einen nahen Verwandten oder Freund auf unsere Suche aufmerksam wird und Kontakt mit uns aufnimmt.

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